Thomas Wagner Rhönkaninchenzüchter

u.a. begleitete Posten sind: Sprecher der AG – Rhön und Schwarzgrannen im ZDRK, Vorsitzender des Rhön, Schwarzgrannen & Japaner Club Hessen-Nassau, Preisrichter in Gruppe Darmstadt

 

Seit fast zu Anfängen der Rhönkaninchenzucht war ich mit einer der ersten die Rhönkaninchen in Hessen züchteten. 1994 wurde der Hessische Club gegründet, 1996 nahm ich mit den Rhönkaninchen auf der damaligen BRS im Saarland teil und hatte meiner Erinnerung nach sogar dort das beste Tier der Rasse gestellt. Seither sind die Rhön immer unter meiner Obhut, auch während einer damalig längeren Zuchtpause saßen immer ein paar Tiere in den übrig gebliebenen Stallungen. Gut möglich das es eine starke Verbindung zwischen mir und dieser Rasse gibt, zumal ich mit den Rhönkaninchen das gleiche Geburtsjahr teilen darf. 1971 erblickte ich das Licht der Welt im kalten Februar, das erste rhönfarbige Kaninchen soll laut meiner Informationen von Reiner Becker Anfang März 1971 geboren sein, demnach fast eine Punktlandung. So oder so gilt mein großer Dank beiden Züchtern, Karl und Reiner für die langwierige geleistete Zuchtarbeit. Seit 1970 fest am Ball geblieben, 1973 in Markleeberg erstmals zu DDR Zeiten vorgestellt, dort 1981 anerkannt bekommen bis sich letztendlich auch 1986 die Rhön in der einstigen BRD durchsetzen konnten und anerkannt wurden. Dieser einstige Traum von Vater & Sohn wird auch noch in vielen Jahrzehnten einen großen Bestandteil in der Rassekaninchenzucht haben.      

 

Die damaligen Tiere lagen bei weitem nicht annähernd auf dem mittlerweile hohen Niveau wie heute. Im Vergleich fürchterliche Formen, kaum anständige Köpfe, Felle jenseits von Gut & Böse und und und… Heute haben wir dank unzähliger Züchter eine mehr als hohe Qualität in dieser Rasse, etliche weitere Rassen haben sich dem gleichen Farbschlag gewidmet. Das beweist die Beliebtheit der Rhön als solches in doch recht großem Ausmaß und das ist auch gut so.

Seit 2006 bin ich nun wieder „voll“ dabei, lernte in diesen Jahren unglaublich viel dazu was die Zucht betrifft. Dem Club Hessen trat ich 2007 bei, sitze diesem seit ein paar Jahren vor. Ich traf in der Vergangenheit etliche wundervolle Menschen, welche sich auch der Rhön- oder Schwarzgrannen verschrieben haben aber wie wohl jeder in diesem Hobby so muss ich auch etliche negative & unehrliche Menschen dazu zählen. Gottlob darf sich jeder frei entscheiden mit wem er dieses großartige Hobby frönen möchte und mit wem man es besser nicht tun sollte. Unsere alljährlichen Schauen sind für mich persönlich das stetige Highlight eines jeden Jahres, hier alle zu treffen und einfach Spaß miteinander zu haben steht noch weit vor dem eventuellen Zuchterfolg. Zwar konnte ich hier schon die ein oder andere Auszeichnung erreichen aber ohne die Rhönfamilie wäre mir dies nie möglich gewesen bzw. nur halb so erfreulich gewesen. Ich bin der Meinung das ein solches Hobby nur mit einer großartigen Gemeinschaft Spaß machen kann und diese ist bei uns definitiv mehr als geboten. Hierbei als kleiner Baustein dazu gehören zu dürfen macht mich mehr als stolz und wirklich happy, die Rhönfamilie inkludiert aller Schwarzgrannen Züchter sind für mich absolut das Salz in der Suppe.

Selbst versorge ich nun in Zusammenarbeit mit meinem 9jährigen Sohn Nils im Zuchtjahr ca. 100 Kaninchen in derzeit 4 Rassen. Zum Ende dieses Jahres werden aber 1 oder sogar 2 Rassen den Stall verlassen oder getauscht werden, um ab 2019 zukünftig mehr rhönfarbige Kaninchen beherbergen zu können. Ich ziehe mit meistens 3 Rammler und 10-12 Häsinnen meine Rhön, stets versuche ich davon mit 1 : 2  aus fremden Blutlinien etwas in meine Zucht einbauen zu können. Nicht immer funktioniert dieses Vorhaben, trotz wirklich gutem Zuchtmaterial muss es nicht immer zusammenpassen aber das ist nun mal Zucht. Immer bestrebt sein das ein oder andere zu verbessern Mithilfe getauschter/gekaufter Tiere und in der Hoffnung das fehlende Puzzleteil in der eigenen Zucht zu finden. Persönlich habe ich nun lange um gute Felle gekämpft ohne dabei die markanten Köpfe und guten Ohren zu verlieren. Dies ist mir soweit recht gut gelungen, die Ohrenlängen passen, jetzt steht für mich das nächste Projekt an. Meine neue Zielsetzung ist ein klares Zeichnungsbild mit kräftiger Farbe ohne dabei zu dunkel oder zu hell mit den Tieren zu werden. Die verwaschenen Zeichnungen sollten die nächsten Jahre nach und nach nicht mehr zu sehen sein, es gibt bereits einige wirklich großartige Rassevertreter, die diese klaren Zeichnungsbilder unter Beweis stellen. Meiner persönlichen Vorstellung nach zeigt u.a. unser Patrick Elting teilweise wirklich schöne & saubere Zeichnungsbilder, auch viele Tiere von unseren Schweizer Freunden kommen meinem persönlichen Idealbild doch recht nahe.

 

Dieses Vorhaben wieder in Einklang mit den restlich geforderten Positionen zu bringen wird auf sicher nicht leicht, Haare raufen inklusive aber dies ist u.a. auch der Reiz der Zucht der nicht fehlen darf. Klingt aufwendig aber wenn ich mich zurück erinnere wie einst die Rhön in der Zeichnung ausgesehen haben, so sind wir heute bereits sehr weit gekommen. Die ersten Rhönschauen waren zu denen von heute eine ganz andere Liga, jedes 2. Tier hatte gefühlt ein geteiltes Zeichnungsbild am Kopf, von kreuzgeteilt erst gar nicht zu sprechen. Heute sehen wir davon zumindest auf den Ausstellungen nur noch recht wenig. Entweder weil die Züchter nun bewusst diese Tiere zuhause lassen oder wie ich denke, wir haben dieses Problem frühzeitig erkannt und recht gut aus den einzelnen Linien heraus gezüchtet. Achten sollten wir auf eine dunkle und satte Krallenfarbe, diese wird meiner Meinung nach immer noch zu wenig bei den Bewertungen beachtet. Mit Erscheinen des neuen Standards hoffe ich das nun viele Kollegen besser mit rhönfarbigen Tieren zurechtkommen. Nach wie vor wird Zeichnung = Farbe mehr oder minder in einem Atemzug bewertet was jedoch völlig falsch ist. Oft gesehen werden dunkle Tiere höher prämiert als die helleren was so nicht ganz richtig ist, da die Grundfarbe weiß ist. Jedoch wirkt anscheinend eine dunkle satte Farbe zumindest für das Auge besser und dies wird somit zeitgleich mit einer „positiven“ Zeichnung verbunden oder auch anders herum. So oder so muss sich einfach vom PR mehr Zeit genommen werden die Urkunde ausführlich zu schreiben um jedem Züchter den gerechten Hinweis auf seine Tiere zu geben. Jeder bezahlt teilweise in Summe einen großen Batzen für die Ausstellungen, dies sollte nicht sondern muss mit einem einwandfreien Bewertungsurteil auch gerechtfertigt werden.  

 

Das Thema Futter ist wohl eine „Never Ending Story“, jeder hat hier wohl seine eigenen Vorstellungen. Für mich gibt es z.B. kein Babystarter oder spezielles Jungtierfutter. Vom ersten bis zum letzte Tag fressen meine Tiere eine ausgewogene Mischung, welche sie sehr gut vertragen. Auch verwende ich keine Futtersorten welche mit Zusätzen wie „Koki“ versetzt sind, meiner Meinung nach eine rein verkaufsfördernde Posse ohne jegliche Wirkung. Kräuterpellet, Müsli in erstklassiger Qualität + Gerste und ganzer Mais vom Bauer ist das was ich meinen Tieren anreiche. Grobes Futter was das laufende Kauen der Nahrung anregt und somit auch den Speichelfluss sollte den Tieren garantiert werden. Reine „Pellet-Pampe“ im Magen fördert erfahrungsgemäß diverse Magen/Darmprobleme, mit denen wohl jeder zu kämpfen hat. Ich habe das große Glück eine Tierärztin im Bekanntenkreis zu haben, welche regelmäßig zu Besuch kommt und sich natürlich auch meinen Bestand anschaut. Wir teilen züchterisch als auch fachlich den fast gleichen Standpunkt was die Haltung, Fütterung und Aufzucht von Kaninchen betrifft.

Einen daher vollständig keimfreien Stall wie so oft sehr zu lesen ist, wird und kann es nicht geben. Jeder ehrliche Züchter wird trotz bester Betreuung Verluste hinnehmen müssen, dies ist der fade Beigeschmack in der Zucht dem wir uns stellen müssen. Grünfutter nutze ich für meine Tiere ebenso, sei es frische Wiese oder was der Garten gerade passend hergibt. Zu sagen ich füttere nichts von der Wiese wegen einer eventuellen Ansteckungsgefahr, finde ich übertrieben. Grünfutter gehört seit Anbeginn der Kaninchen mit zum Speiseplan, wer will schon selbst täglich Schweinebraten mit Knödel (außer den Bayrischen Zuchtfreunden). Der Bestand an Wildkaninchen ist fast überall auf 0, eine Ansteckung mit diversen Krankheiten schließt dies relativ sicher aus, zudem impfen wir alle vorsorglich. Auch für mich sehr wichtig ist ein gutes grobes Heu aus der ersten Maht und qualitativ hochwertiges Gersten oder Haferstroh da dieses auch sehr gerne aufgenommen wird. Zudem reiche ich noch einen Wasserzusatz auf Salzbasis, welcher nach über 3 Jahren eigener Erfahrung dem Wohlergehen meiner Tiere positiv entgegenkommt. Der Rest ist und sollte auf jeden Fall den Launen der Natur überlassen werden, weniger ist manchmal mehr. Mehr Chemie als über die RHD Impfungen hat in meinem Stall absolut nichts verloren.

 

Somit endet meine persönliche Vorstellung, würde mich freuen von jedem Rhön & Schwarzgrannen Züchter aus nah und fern in Zukunft etwas lesen zu können. Über diesen Weg werden wir uns alle noch besser kennen lernen als bisher, die Rhönfamilie wird stetig wachsen, wenn wir unsere Begeisterung an diesen Rassen in die Welt tragen. In diesem Sinne die herzlichsten Grüße an alle da draußen, lasst es Euch gut gehen und wir sehen uns hoffentlich im Oktober in Recke zur 4. Rassebezogenen Europaschau.

 

Euer Thomas